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Impressionen: Stettiner Haff

Schumacher, S. (2008): Sandstrände der deutschen Ostseeküste - Gefährdung, Schutz und Ökologie der Wirbellosen. IKZM-Oder Berichte 53

Der Sandstrand stellt an der deutschen Ostseeküste, wie auch in der Oder-Mündungsregion einen einzigartigen, da extremen Lebensraum zwischen Überflutung durch Brackwasser, Wind, Überwehung mit Sand, spärlicher Vegetation, Hitze, Kälte und Trockenheit dar, dessen Biozönose an die dort herrschenden Umweltbedingungen speziell angepasst sein muss um überleben zu können. Dieses Küstenökosystem speichert und verarbeitet Nährstoffe, filtert Schadstoffe die durch die Fracht der Flüsse eingebracht werden und schützt die Küstenlinie vor Erosion und Stürmen. Gleichzeitig ist er einer starken Beanspruchung durch verschiedenste anthropogene Interessensgruppen ausgesetzt, die untereinander wiederum konkurrieren.
Küstenschutz: Der natürliche Lebensraum „Sandstrand“ hat in den letzten 200 Jahren stark an Fläche bzw. an Dynamik verloren. Heute gibt es in SH Hochwasserschutzanlagen auf insgesamt 119 km Küstenlänge. In MV haben die Anlagen eine Länge von 327 km, die einzelnen Anlagen überschneiden sich allerdings an einigen Stellen. Der Küstenschutz beeinflusst vor allem die Dynamik des Sandstrandes und das auf fast der gesamten Küstenlänge.
Häfen und Schiffsverkehr: Häfen stellen zwar einen Totalverlust des Sandstrandes dar, es geschieht dabei aber nur punktuell. Häfen und der Schiffsverkehr sind dabei eine von vielen Quellen der Ostsee- und damit der Strandverschmutzung. Schwermetalle, organische Schadstoffe, Öleinträge, Nährstoffe und direkte Flusseinträge aus dem Ostseewasser dringen bei Wellenschlag und Überflutung in das Sandlückensystem des Sandstrandes ein. Verschmutzungen, Vergiftungen und Absterben von Pflanzen und Tieren können dabei die Folge sein.
Tourismus: Als 1793 das erste Seebad in Heiligendamm für Badegäste eröffnet wurde, begann die bis heute folgenschwerste direkte Nutzungsform für den Sandstrand. Heutige Zahlen aus SH wie 10,1 Millionen Übernachtungen in den Landkreisen und kreisfreien Städte direkt an der Ostseeküste im Jahr 2004 lassen den Druck auf den Strand erahnen. Die Trittschäden auf ganzer Fläche machen es Flora und Fauna in ihrem Sandlückensystem dabei unmöglich zu überleben. Nicht unbeachtet bleiben darf dabei der vorausgesagte Meeresspiegelanstieg von 8 bis 88 cm ! Dieser wird in den nächsten Jahrzehnten nicht nur Sandstrandflächen reduzieren und den Nutzungsdruck auf Küstenbiotope verschärfen.
Vergleich des wirbellosen Arteninventars zwischen touristisch genutzten und ungenutzten Stränden: Hier besteht ein gewaltiger Unterschied. Die beiden touristisch genutzten Sandstrandabschnitte wiesen weder Vegetation noch Spülsäume auf. Es wurden nur zwei Strandarten, Cicindela maritima (3 Individuen) und Arctosa perita (2 Individuen) gefunden. Auf den ungenutzten Strandabschnitten konnten neben einer ausgeprägten Strandflora insgesamt 18 Strandarten der Wirbellosen gefunden werden. Wie das ganze Biotop so stehen auch sieben Arten davon auf der Roten Liste. Die Individuenzählung des Cicindela maritima ergab auf den vier Naturstrandabschnitten insgesamt 186 Individuen. Damit hat das Ökosystem „Sandstrand“ nur noch auf touristisch ungenutzten Strandabschnitten eine Chance. Völlig ungenutzte Sandstrände gibt es allerdings nur noch in den Kernzonen des Nationalparks sowie in den beiden NSG in MV und damit auf der gesamten Küstenlänge auf gerade einmal 22 km ! Ein wahrlich extremer Lebensraum.
Nr.DateinameGrößeBeschreibung
1IKZM_Oder_Berichte53_Schumacher.pdf6.297.702IKZM-Oder Berichte 53: Sandstrände der deutschen Ostseeküste - Gefährdung, Schutz und Ökologie der Wirbellosen

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